Dr. Gunther Schunk über die Digitalisierung eines Fachmedienhauses

Dr. Gunther Schunk ist Leiter Corporate Communications von Vogel Business Media. Ich sprach mit ihm im Rahmen des Mobile Media Day in Würzburg darüber, wie die Digitalisierung Vogel Business Media als Fachmedienhaus verändert und welche Vorteile der Gründer- und Medienstandort Würzburg bietet. Im Interview erklärt er die Ziele des Vogel Campus und der Vogel Gründer-Werkstatt und warum die Ideen von 30.000 Würzburger Studenten so interessant für Vogel Business Media sind.

Einen Fachverlag bringt man nicht in erster Linie mit Mobile Media in Verbindung. Was bedeutet Mobile für Sie und Ihre Kunden?

Mobile ist eine weitere Ausspielplattform, um unser Wissen, das wir aufbereiten und veredeln, zu verbreiten. Damit ist es Teil unseres Alltaggs und unserer Realität und wir müssen schlichtweg daran arbeiten, unsere Leser und User — also diejenigen die nach Fachinformationen suchen — auch auf diesem Wege zu versorgen. Kurz gesagt, es bedeutet uns viel.

Welche konkreten Anwendungsszenarien sehen Sie in Ihrem Haus?

Wir haben rund 100 Fachmedien die entsprechend viele verschiedene Zielgruppen, Branchen und Akteure in den Märkten bedienen. Das reicht vom Rechtsanwalt bis zum KFZ-Techniker und Mechatroniker, also sehr unterschiedliche Anwendungen. Aber alle haben ein Recht darauf, auch am Arbeitsort und unterwegs mobil angeschlossen zu sein an das Wissen der Welt oder besser gesagt an das Fachwissen ihrer Fachwelt.

Was macht Mobile mit den verschiedenen Medienmarken von Vogel Business Media?

Für die Marke bedeutet das natürlich eine erhebliche Herausforderung, da ja die gute alte Medienmarke früher auf der Zeitschrift beruhte, und das war es dann auch. Heute sind die Touchpoints einer Marke mit ihren Lesern, Usern und Nutzern vielfältig geworden: vom Live-Event, über verschiedene digitale Formate wie Newsletter, Smartphone, Tablet und Web bis hin zur guten alten Fachzeitschrift, die natürlich immer noch wichtig ist. Das bedeutet für eine Marke eine große Verantwortung, um dies alles zusammenzuhalten.

Welche Strategien sollten aus Ihrer Sicht Medienunternehmen einschlagen, um auf die veränderte mobile Mediennutzung zu reagieren?

Wir müssen viel ausprobieren. Wir müssen sehr gut zuhören, was unsere Kunden wollen, was die Menschen in den Märkten brauchen und wir müssen aus den Fehlern lernen und schnell, agil und tolerant arbeiten. Dann werden wir viel Spaß haben. Denn in Zeiten von Social Media — durch den Dialog mit den Menschen in den Märkten — können wir unheimlich viel lernen und sehr gut, treffsicher und effizient reagieren. Gemeinsam mit denen, denen wir einen Nutzen verschaffen wollen, wollen wir das erarbeiten und aufbereiten was wirklich ein Nutzen ist. Eigentlich eine sehr gute Sache und die Strategie dabei ist einfach: Machen, machen, machen!

Die Digitalisierung der Wirtschaft und Gesellschaft fordert die Medien, auch Ihr Haus. Warum startet Vogel Business Media nun einen eigenen Vogel Campus in Würzburg?

Gerade die Medien müssen bei der Digitalisierung helfen, Menschen und Märkte zu vernetzen, zum Beispiel über unsere Plattformen. Hier gibt es mittlerweile nicht nur eine, die Fachzeitschrift, sondern viele Medien und Plattformen, um das zu tun. Die Ideen für all diese neue Verknüpfungen kann man nur aufbereiten, wenn man einen Campus hat und das Wissen als das wertvollste Gut ansieht.

Sie sind mit einigen Geschäftseinheiten auch am Standort Berlin. Was macht denn hier am Standort Würzburg den Unterschied?

Berlin ist StartUp-Hauptstadt in Europa. Das ist eine andere Szene, ein anderer Spirit. Aber auch Würzburg hat hier einiges zu bieten. Wir wollen hier mit jungen Teams neue Business-Konzepte hochziehen, weil wir hier vielleicht viel näher an den Märkten und an den echten Themen dran sind, die wir als Fachmedienhaus bearbeiten. Mit den Menschen in den Märkten und deren Problemen, wollen wir gemeinsam mit den jungen Menschen Lösungen finden, die hier unter den 30.000 Studenten in Würzburg sind

Was ist das Ziel der Vogel StartUp-Werkstatt?

Wir wollen mit dem was wir können und was wir wissen, jungen Teams bei ihren Business-Konzepten helfen und sie unterstützen, um am Ende entweder einfach nur ein gutes Business aufzubauen oder vielleicht sogar ganz konkrete Lösungen für unsere Kunden z. B. in IT, Industrie und Automotive zu finden. Das kann Data-driven-Business sein, das können Work-Flow-Solutions sein, das kann Vernetzung oder auch Community Building sein. Was auch immer. Hier gibt es unheimlich viele Anknüpfungspunkte, weil tatsächlich die Wissenspartner und die Kommunikationspartner in dieser Welt heute ganz andere Dinge und viel mehr von einem Medienhaus erwarten als noch früher, als es nur die Fachzeitschrift gab.

Sie haben es bereits in Teilen angesprochen. Für welche neue Anwendungen interessiert sich Vogel?

Ich glaube, wir werden noch viel lernen und aus diesem Lernprozess heraus wird auch immer wieder das Interesse neu entstehen. Daten spielen eine große Rolle. Ein Medienhaus hat unheimlich viele Daten aber man muss die richtigen Fragen an diese Daten stellen. Dann kann man auch immer wieder etwas Neues daraus machen. Ich gebe auch ganz offen zu: Da sind wir manchmal zu sehr in unserem Geschäft, in unserem Hamsterrad des Alltags gefangen, als dass wir unbefangen aussteigen und vielleicht ganz andere Fragen stellen können. Da tut es ganz gut, mit jungen Menschen zu sprechen, die die Welt auch ganz anders sehen.

Warum sollten junge Menschen, die im Medienbereich gründen wollen, über Würzburg als Standort nachdenken?

Genau aus dem Grund: Weil es unheimlich viele Möglichkeiten gibt. Es gibt hier alle Mediengattungen. Es gibt die hier die komplette Ausbildung dazu. Wir haben drei Hochschulen mit 30.000 Studenten und ganz viele Leute, die — voller Lust und Freude — eifrig dabei sind, eigene Ideen zu verwirklichen. Es ist nur noch eine Aufgabe die Plattformen zu vernetzen, um daraus einfach mehr zu machen. Und deswegen ist dieser Standort ein Medienstandort und auch ein StartUp-Standort.

Dr. Gunther Schunk von Vogel Business Media, herzlichen Dank für das Interview.

Foto: Dr. Gunther Schunk, Vogel Business Media; Vollmond Konzertfotografie