Jan-Keno Janssen über Wearables, Virtual Reality und deren Bedeutung für Medien

Jan-Keno Janssen ist c’t-Redakteur und Experte für VR- und Datenbrillen. Mit ihm sprach ich auf dem Mobile Media Day 2015 in Würzburg über Virtual Reality und Datenbrillen, die aus seiner Sicht interessantesten Geräte im Markt und mögliche Nutzungsszenarien in Journalismus und Medien.

Das ganze Interview zum Nachlesen: Lesezeit 4 Minuten.

Redaktioneller Hinweis: Das Transkript des Videointerviews wurde zur besseren Lesbarkeit redaktionell bearbeitet.

Du bist Experte für Virtual Reality- und Datenbrillen. Was macht die Faszination aus?

Bei Datenbrillen, wie zum Beispiel Google Glass, finde ich toll, dass man ein bisschen wie ein Cyborg ist, wie so ein Terminator, der eingeblendete Daten im Blickfeld hat. Das finde ich ziemlich cool. Meine wahre Leidenschaft gehört aber eigentlich Virtual Reality. Das war schon immer ein Kindheitstraum von mir, dass man sich irgendetwas aufsetzt und sich dann wirklich woanders hin beamt und sich dort dann auch einfach wirklich in einer anderen Welt umschauen kann. Das macht mir gerade Riesenspaß.

Foto: Mobile Media Day 2015

Welche Nutzungsszenarien siehst du im Medienbereich oder Journalismus?

Man hat ja gerade gesehen, dass zum Beispiel die New York Times eine Million Cardboards — also VR-Brillen — an ihre Leser geschickt und hat selbst auch VR-Inhalte produziert: zum Beispiel eine Story über Flüchtlinge und ein Flüchtlingscamp, weil Virtual Reality eine Erzähl- und Medienform ist, die sehr sehr empathisch ist und empathische Gefühle hervorrufen kann. Das ist sehr direkt und funktioniert ziemlich gut.

Aber ansonsten sind im Medienbereich auch noch andere Sachen denkbar. Zum Beispiel dass man Veranstaltungen einfach live streamt in 360 Grad, sodass die Zuschauer wirklich das Gefühl haben dass sie da sind. Man kann sich umschauen und dafür muss man einfach nur eine 360-Grad-Kamera auf einem Event hinstellen, und fertig.

Welche Gadgets faszinieren dich gerade besonders bzw. wo siehst du das meiste Potential?

Das Gadget auf dass ich mich am meisten freue, ist die HTC Vive, die zusammen mit Vive entwickelt worden ist. Das ist auch eine Virtual Reality-Brille, aber das besondere daran ist, dass man sich frei im Raum bewegen kann. Das geht bis zu 25 Quadratmeter und in diesen kann ich mich wirklich frei bewegen und immer wenn ich der Wand näher komme, wird eine Art Gitterraster eingeblendet. Das finde ich ziemlich cool und glaube das wird ziemlich beeindruckend.

Welches Potential hat die Microsoft HoloLens für dich und kommt Google Glass nochmal wieder?

Ich habe die HoloLens selbst noch nicht sehen können. Diese gibt es ja bisher nur bei Microsoft. Ein Kollege von mir hatte das Vergnügen auf einer Microsoft-Entwicklerkonferenz. Was ich gehört habe, ist dass die HoloLens zwar viel Potenzial hat, aber dass das Blickfeld zu klein ist. Das heißt, es können Sachen eingeblendet werden, aber eben nur in der Mitte des Blickfeldes. Die Lehrmeinung ist im Moment eigentlich, dass Virtual Reality jetzt gerade kommt und in ein oder zwei Jahren richtig marktreif ist, während Augmented Reality-Brillen — zu denen gehört HoloLens — wohl noch zehn Jahre brauchen, bis sie kommen.

Google Glass ist so ein Zwischending. Das ist ja keine richtige Augmented Reality Brille sondern eher ein eingeblendeter Bildschirm, den ich immer dabei habe. Das ist eigentlich eine gute Idee, aber eine Smart Watch eignet sich eben deutlich besser. Google hat ja auch die Ideen, die sie für Google Glass hatten, in Android Wear für die Smart Watches wiederbenutzt. Deswegen glaube ich erstmal nicht, dass zumindest solche Datenbrillen wie Google Glass zum Erfolg werden.

Was wäre ein Gerät dass du dir wünschen würdest?

Mein Traumgerät ist auf jeden Fall die perfekte Virtual Reality-Brille, die so eine hohe Auflösung hat und so ein gutes Head Tracking, dass ich die Realität nicht mehr von der virtuellen Welt unterscheiden kann.

Jan-Keno Janssen vom c’t-Magazin, herzlichen Dank für deine Einschätzung.

Foto: Mobile Media Day 2015