Lina Timm über das Media.Lab Bayern

Lina Timm ist Leiterin des Media.Lab Bayern. Mit ihr sprach ich auf dem Mobile Media Day 2015 in Würzburg über die Förderung neuer digitaler Journalimusprojekte und die Hilfe bei der Zusammenstellung neuartiger Teams aus Content- und Technologieexperten.

Sie wurden vom Medium Magazin im September zu einer der 30 Top-Nachwuchsjournalisten gewählt. Wie kommt man zu dieser Ehre?

Erstmal freue ich mich total über diese Ehre. Wie man dazu kommt, ist eine ganz gute Frage. Ich glaube, ich habe mich einfach schon sehr tief und sehr lange in dieses ganze Digitale eingearbeitet und da auch wirklich reingeworfen und alles ausprobiert was irgendwie nur geht und letztlich auch versucht, ein bisschen was voranzubringen. Vielleicht war das der Punkt, den die Jury dazu bewogen hat, aus den Vorschlägen auch mich auszuwählen.

Was macht das Media.Lab Bayern?

Das Media.Lab ist ein Ort, mit dem wir digitalen Journalismus fördern wollen. Und zwar tatsächlich als physischer Ort an dem Leute zusammenkommen können, wo sich Teams finden können und Ideen entwickeln können, um tatsächlich im digitalen Journalismus neue Tools, neue Software und neue Ansätze auszuprobieren und experimentieren zu können.

Das Media.Lab Bayern versteht sich als Ort für alle, die den Medienwandel mitgestalten wollen. Was sind Trends, die Sie beobachten?

Der Ort für alle zielt zuerst einmal in die Richtung, dass wir nicht nur Journalisten haben wollen, sondern Journalisten, Programmierer und Webdesigner, weil man nur in diesen Teams etwas entwickeln kann. Was wir tatsächlich als Trend sehen und was der Kern vom Media.Lab ist, ist die Tatsache dass Content und Technologie viel mehr zusammenwachsen. Die StartUps die bei uns sind, machen irgendwie schon Content aber vor allem machen sie die Plattformen oder die Technologie dahinter, die Content anders darstellt. Das ist aus meiner Sicht wirklich ein großer Trend: die ganzen Inhalte die wir im Netz haben und die wirklich schon weit verbreitet sind, wieder zusammenzufassen und zu kuratieren, anders darzustellen, damit alles übersichtlicher wird und man die Möglichkeiten des Netzes wirklich ausnutzt.

Ansonsten wird derzeit sehr viel über Virtual Reality gesprochen. Ich habe dabei aber ein bisschen das Gefühl, dass hier die Medienhäuser — nachdem sie alles andere verschlafen haben — mal Vorreiter sein wollen. Ich weiß noch nicht so richtig, wie schnell Virtual Reality in die Wohnzimmer kommt oder tatsächlich zu den Leuten kommt. Aber das ist auf jeden Fall ein Trend, mit dem sich die Medien beschäftigen; ansonsten alles was sich rund um Plattformen bewegt, was Nachrichten und Inhalte zusammenzieht. Social ist natürlich immer noch ein Riesen-Trend und bleibt als ganz großer Trend immer noch da.

Sehen Sie in diesen Bereichen auch das meiste Potential für Gründer?

Ja, Gründer und StartUps können ziemlich genau dort reingehen. Gerade in den Bereichen Technologien und Plattformen zu entwickeln, über die man Inhalte zusammenfassen und teilen kann, ist ein großer Punkt. Wir merken im Media.Lab aber auch, dass es als Gründer schwierig ist, wenn man eine Redaktion aufbauen will. Das ist das was die großen Medienhäuser schon haben und gut können, die 120 Redakteure aus allen Bereichen da sitzen haben und die sich perfekt auskennen. Das als StartUp hinzukriegen und den Content wirklich selbst zu produzieren in dieser Schlagzahl, das ist schwierig. Aber Technologien zu bauen, die das ganze unterstützen oder auf eine neue Art und Weise darstellen, das geht besser.

Haben Sie in Ihrer bisherigen Arbeit aus München auch Würzburg auf dem Schirm gehabt, oder jetzt vielleicht?

Jetzt mit Sicherheit! Würzburg war bisher in unserem Medienfokus noch nicht ganz mit drin, aber über den Mobile Media Day schon immer ein Bestandteil. Die StartUp-Szene ist wahnsinnig groß, wie ich heute auch mitbekommen habe. Das ist natürlich auf jeden Fall etwas, auf dem man aufbauen kann und wo wir vielleicht für das Media.Lab auch mal ein paar Mentoren oder Leute gewinnen können, die von ihren Lessons learned berichten.

Lina Timm vom Media.Lab Bayern, herzlichen Dank für das Interview.