Vom Blogger zum Publisher — Sascha Pallenberg über aktuelle Trends in Mobile & Media

Sascha Pallenberg gehört mit seinem Portal Mobile Geeks sowie YouTube-Channel und Blog zu den führenden Meinungsmachern in der mobilen Welt. Als kritischer und unabhängiger Beobachter der Szene hat sich Pallenberg in den vergangenen Jahren einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Mit ihm sprach ich auf dem Mobile Media Day 2015 in Würzburg in einem 20-Minuten-Rundumschlag über seinen Weg vom Blogger zum Publisher und aktuelle Trends in Mobile & Media.

Das ganze Interview zum Nachlesen: Lesezeit 13 Minuten.

Redaktioneller Hinweis: Das Transkript des Videointerviews wurde zur besseren Lesbarkeit redaktionell bearbeitet.

Sascha, du beschäftigst mittlerweile 11 Blogger in Deutschland, Taiwan und den USA und hast einen perfekten Einblick in die internationale Mobile-Computing-Szene. Wie hast du den Wandel in den letzten 15 Jahren wahrgenommen? Was hat dich in deiner Trendbeobachtung in dieser Zeit am meisten überrascht?

Das ist eine großartige, komplexe Frage. Es ist extrem interessant zu sehen, wie die Entwicklung von mobilen Plattformen immer mehr Fahrt aufnimmt. Das hat aber zum Teil auch in Sackgassen geführt. Wenn wir uns heute unser Smartphone anschauen, passiert folgendes: Sagen wir, du nimmst 50 Smartphones, packst sie auf den Tisch und machst von oben ein Foto. Ich bin mir sicher, dass wir keinen finden werden, der alle benennen kann. Weil alle gleich aussehen. Was soll man da auch anderes machen? Das ist ein zentrales Display mit einer Touchfunktion und dann werden da noch ein paar Icons darauf angelegt. Da passiert nicht mehr viel in diesem Bereich. Jeder hat ein Smartphone und gerade bei den hochwertigen Smartphones gibt es kaum noch Steigerungsraten. Aber wir haben uns durch diese irre Entwicklung von einer linearen in eine exponentielle Richtung dahin entwickelt.

Je mehr Menschen Zugriff auf Informationen haben, je mehr Menschen von anderen Menschen inspiriert werden, etwas in der Richtung zu tun, umso mehr Entwicklung, umso mehr Innovation sehen wir. Das hat uns dahin geführt, dass zum einen heute jeder ein Smartphone hat und das Smartphone im Grunde genommen, in einer gewissen Art und Weise, ein verlängertes Ich ist und uns das Smartphone unseren Content vorschreibt, den wir konsumieren. Das ist zum Teil Time-Saver aber auch Time-Killer, zum Beispiel wenn ich auf den Bus warte und sehe dass jeder immer ein Smartphone in der Hand hat und irgendetwas damit macht.

Das Smartphone hat die Art und Weise wie wir mobile Technologien erfahren und natürlich auch wie wir digitale Güter erfahren, grundlegend verändert und ist wohl in den letzten 15 Jahren die signifikanteste Entwicklung gewesen. Aber es kommen andere Sachen nach. Das können Wearables sein. Ich denke dass gerade Smart Clothing ein riesengroßes Thema in der Zukunft wird. Und natürlich dann auch das Connected Car, das Smart Car der Zukunft, was von A nach B fährt. Das haben die meisten Hersteller sogar schon soweit, dass die Autos heute schon auf jeder Autobahn fahren können. In den Innenstädten ist es noch ein bisschen knifflig, weil da einfach auch mehr Objekte unterwegs sind. Aber es wird kommen.

Du hast selbst auf dem Weg zu Mobile Geeks einige Wandlungen in der Ausrichtung deiner Arbeit vollzogen. Was sind deine Key-Learnings auf dem Weg zum eigenen Publisher mit Relevanz und Reichweite?

Es gibt ein schönes Winston Churchill-Zitat, das relativ einfach ist und sich jeder merken kann: Never, never, never, never, never give up! Und wenn du an etwas glaubst und für etwas brennst, dann musst du auch dabei bleiben. Es sind relativ wenig Leute, die innerhalb von zwei, drei Monaten erfolgreich wurden. Oder es vielleicht zum Teil noch nicht einmal nach zwei, drei Jahren geschafft haben. Diverse StartUps sind andauernd vor die Wand gefahren. Das ist übrigens eine Mentalität und ich würde mir ein bisschen mehr Pragmatismus in diesem Bereich in Deutschland wünschen.

“Nicht aufgeben. Anders sein. Unique sein. Und Rückgrat haben.”

Wenn du in Deutschland ein StartUp aufmachst und fährst mit der Firma vor die Wand, dann wird dein Umkreis wahrscheinlich sagen: OK, kann passieren. Zwei Wochen später machst du die nächste Firma auf und fährst die wieder vor die Wand, dann fangen die ersten an zu sagen: Irgendetwas stimmt mit dem Jungen nicht. Und dann machst du wieder die dritte Firma auf und die fährst du wieder vor die Wand. Dann sagen die Leute: Sorry, der sollte jetzt mal wirklich einen Mediziner seines Vertrauens konsultieren.

Weißt du, was in den USA daraus gemacht wird? Ach, der hat aber Erfahrung! Das ist eigentlich eine positive Sache. Vor allen Dingen, dann auch wieder aufzustehen und weiterzumachen. Die Key Learnings sind ganz einfach: Zum einen extrem flexibel sein, möglichst allen anderen vielleicht auch einen kleinen Schritt voraus zu sein, andere Sachen auszuprobieren; gerade in der Medienlandschaft.

Wenn du heute auf Google News gehst, dann steht da nur noch Müll drin. Da habe ich den ganzen Focus-, n-tv-, SPIEGEL online-Clickbait-Welt-Rotz, die alle das gleiche schreiben, am besten noch mit den 3 Pluszeichen +++Live-Ticker+++ dazu schreiben, weil das eine wahnsinnige Dynamik darstellen soll, wo überall echt der gleiche Müll rumfliegt.

“Ich kann Live-Ticker nicht mehr sehen.”

Wir leben in einer Welt, in der es um Aufmerksamkeit geht. In der wir Aufmerksamkeiten aber möglichst in sehr, sehr kleinen Aufmerksamkeitsfenstern gewinnen müssen. Ansonsten springen die Leute ab. Und das ist leider nicht unbedingt immer der Qualität des Contents zuträglich. Deswegen hast du dann den Live-Ticker zum Terror in Europa, den Live-Ticker zur Griechenland-Krise, den Live-Ticker weil irgendeine Oma umgekippt ist. Ich kann Live-Ticker nicht mehr sehen.

Das ist aber auch ein toller Punkt, um sich zu positionieren, um was anderes zu versuchen, um vielleicht andere Wege zu gehen und andere Positionen einzunehmen, wie man heutzutage publiziert. Ich denke, das sind die Key Learnings: Nicht aufgeben. Anders sein. Unique sein. Und Rückgrat haben.

Zum Rückgrat und zur Frage der Aufmerksamkeit: Wie gelingt aus deiner Sicht eine gute Zusammenarbeit zwischen Werbekunden, und deren Anspruch auf eine gewisse Relevanz und Reichweite, auf der einen Seite und deinem Anspruch als Publisher bzw. Blogger?

Bei uns sind Werbung und Content getrennt, obwohl wir keine Werbebanner mehr haben. Wir machen Werbung über sogenannte Native Ads, Sponsored Posts oder Advertorials. Das sind übrigens alles Begriffe, die durchaus abmahnfähig sind. Deswegen steht bei uns über diesen Texten auch so dick WERBUNG, damit jeder weiß: Moment mal, Achtung! Jetzt kommt ein Werbeblock. Das ist getrennt. Unser Team hat nichts mit diesem Content zu tun, die produzieren den überhaupt nicht. Das müssen die Hersteller machen.

“Wenn du Werbung und Content nicht trennen kannst, dann endest du wie so ein YouTube-Schmink-Sternchen.”

Wenn du Werbung und Content nicht trennen kannst, dann endest du wie so ein YouTube-Schmink-Sternchen, das aus dem Primark kommt, wo sie sich T-Shirts für $ 1.99 kauft, die irgendwo in Bangladesch im Sweat Shop hergestellt werden, von Leuten die 25 Dollar im Monat verdienen. Die setzt sich dann hin und sagt: Guck mal, das habe ich heute bei Primark eingekauft. Guck mal, wie toll! Oder du machst es auf Instagram oder du machst es auf Snapchat.

“Der Leser ist hier die Instanz, die Kontrollinstanz, und im Grunde genommen auch der Quality Manager.”

Entweder endest du so oder deine Leser gehen nicht mehr auf deine Seite. Die sagen dir ganz klar: Moment mal, du hast jetzt hier gerade dieses Smartphone von Asus getestet. Die sind bei euch Sponsor. Warum hat das denn bei euch solche Noten und bei allen anderen Testern wird es verrissen? Der Leser ist hier die Instanz, die Kontrollinstanz, und im Grunde genommen auch der Quality Manager. Sorry, ich schreibe jetzt seit 15 Jahren. Du brauchst sehr, sehr lange, um Credibility und Reputation aufzubauen. Du kannst sie im Netz aber innerhalb von 24 Stunden kaputt machen. Und daran habe ich nicht soviel Interesse.

Wo siehst du geeignete Werbeformen und Vermarktungsmöglichkeiten an denen sich andere ein Beispiel nehmen sollten?

Ich glaube das ist dieser tolle Begriff des Content Marketing, was letztendlich eine Werbung ist, die es ja auch im Print schon gibt. Das hieß nur damals noch Verlagsbeilage. Oder du machst sowas wie die Apotheken-Rundschau, wo jeder weiß, dass es von den Apothekerverbänden gezahlt wird.

Gezielt auf potenzielle Werbekunden zugehen und Partner suchen, die vor allen Dingen auch zum Content passen.

Nichts ist schlimmer, als jemand der auf deine Website kommt und du zum Beispiel Google AdSense bei dir auf der Seite hast. Dann kommt ein Besucher auf deine Seite, der schon seit ein, zwei Surf Sessions getrackt wird und die Cookies werden von einer Seite zur nächsten weitergegeben. Er kommt also auf die Seite und das erste was eingeblendet wird: 24/7 Bangkok Teenies!

Und dann schreibt der dir eine Mail und fragt, warum ihr denn so eine Porno-Werbung bei euch auf der Seite drauf habt. Er weiß gar nicht wie das System funktioniert: dass er wahrscheinlich vorher auf dieser anderen Seite war bzw. auf ein paar lustigen anderen. Es ist eine Katastrophe wenn sowas passiert.

“Weg von den Bannern!”

Also, die Firmen raussuchen, zu denen man passt, andere Wege gehen und schauen, ob ich mit denen irgendwelche Sachen projektieren kann und: Weg von den Bannern!

Wie geht die Verschmelzung unterschiedlicher Devices wie Smartphone, Tablet, Laptop und Wearables weiter?

Letztendlich haben sie alle ein Display. Ob das Display klein ist, groß ist, mittelgroß, am Handgelenk zu tragen, in der Hosentasche ist oder bei mir auf dem Tisch steht, ist erstmal egal. Es gibt nur relativ wenige Marken im Smartphone-/Tablet-Bereich, die so hoch emotional sind und die sich auch über das Markenimage verkaufen.

Apple ist auch hierfür das beste Beispiel. Bei Samsung sieht das schon ein bisschen anders aus. Bei Sony nochmal anders und bei HTC erst ganz anders. Und bei Blackberry weißt du gar nicht mehr, ob es die überhaupt noch gibt. Die waren vor zehn Jahren die absoluten Könige. Es geht sehr, sehr schnell. Das ist ein dynamischer Markt. Sieh dir an, was aus Nokia geworden ist.

Letztendlich glaube ich, dass Hardware-Features und Funktionalität immer mehr in den Hintergrund geraten werden, weil das Anwendungsszenario für ein Smartphone, für eine Smartwatch und ein Tablet sehr, sehr begrenzt ist. Und dann geht es darum Services, Apps und Content zu haben.

Welche Services vermisst du heute oder welchen misst du eine größere Bedeutungen in den nächsten Jahren zu?

Ich vermisse, ehrlich gesagt, so viele Services. Warum gibt es hier in Würzburg kein MyTaxi? Ich musste mir an der Hotelrezeption ein Taxi anrufen. Und die hatte dann noch einen Call. Dann stand ich da und habe es gerade noch hierher geschafft. Warum gibt es ein freies Internet nicht über die gesamte Stadt? Was wird das denn machen? Ich weiß, ich werde jetzt völlig von der Frage wegkommen aber ich glaube das ist sehr, sehr wichtig.

Wir haben ja irgendwann mal angefangen Wege, Straßen und Autobahnen zu bauen, um Infrastrukturen zu stärken, um Infrastrukturen zu definieren. Autobahnen natürlich auch, um Menschen und Güter von A nach B zu bewegen. Was wir physisch von A nach B geschoben haben, das machen wir heute digital. Wir schicken Gedanken, Stimmungslagen und irgendwelche Fotos von A nach B.

“Datenautobahn — Das ist so ein tolles deutsches Wort. Ich würde gerne mal wissen, wer sich das überhaupt mal ausgedacht hat.”

Wenn wir die Datenautobahnen ausbauen, frei machen und als Grundbedürfnis ansehen, dass jeder Mensch ein Recht darauf hat auf das Internet zuzugreifen — ein Recht auf einen Breitbandanschluss, ein Recht auf einen mobilen Anschluss — warum machen wir das dann auch nicht kostenlos?

Wir subventionieren jeden Scheiß. Wenn ich mir anschaue wie die Kohleindustrie viele Jahrzehnte subventioniert wurde. Wenn ich mir anschaue wie irgendwelche Landwirte Geld bekommen, wenn sie ihre Flächen brach liegen lassen oder Geld dafür bekommen, um Lebensmittel zu zerstören, dann denke ich mir: Wie kann man so einen Schwachsinn überhaupt noch subventionieren? Da müssen die sich einen anderen Job suchen! Sorry!

Die Welt hat sich geändert. Es gibt auch heute noch recht wenige Küfer, weil wir weniger Fässer benutzen, um Sachen zu lagern. Weil wir heute alle einen Kühlschrank haben. Wir sind in einem stetigen Wandel. Wenn wir Internet für jeden verfügbar haben — also diese Infrastrukturen schaffen — dann sieht hier die StartUp City auf dem Mobile Media Day in fünf Jahren anders aus.

Das ist ein tolles Event und mit über 600 Leuten hier super besucht. Aber dann habt ihr hier 6.000 Leute hier sitzen, weil mehr Leute die Möglichkeit haben die Vorteile und die Infrastruktur des Netzes zu nutzen. Ich glaube, das ist extrem wichtig.

Du sprichst die Geisteshaltung an. Wir sind auf dem Mobile Media Day. Wo steht denn aus deiner Sicht Mobile Media heute und wo geht die Reise hin?

Ich glaube, dass Mobile Media zumindest für meine Generation eher eine Time-Killing-Geschichte ist. Ich setze mich jetzt nicht hier in die Ecke und lese DIE ZEIT auf meinem Smartphone. Ersten hätte ich keine Zeit dazu — was für ein schöner Kalauer — und zweitens finde ich, das ist Mickey Mouse-Kino auf 5 oder 6 Zoll. Da schaue ich mir das doch lieber auf einem großen Tablet an oder meinem Laptop oder vielleicht kaufe ich mir sogar eine Ausgabe. Ab und zu ist ja Totholz vielleicht ja auch mal was ganz Spannendes.

Ich glaube mobiler Medienkonsum ändert sich noch viel viel schneller als die Hardware und Technologien, die sie bei unseren Smartphones heute einsetzen. Dieses Jahr ist ein ganz gutes Beispiel. Diese Like-&-Look-at-me-Gesellschaft, die wir alle machen und von der ich mich nicht ausnehme. Natürlich poste ich ein tolles Foto wo ich gestern am Genfer See vorbeigefahren bin: Guck mal hier, ich bin in Genf. Wie geil sieht das denn aus? Und natürlich freut man sich, wenn man darauf Likes bekommt.

“Die Generation Selfie und Groufie wird zur Generation Ego-Caster.”

Wir sind doch alle kleine Expressionisten. Das muss ja auch nichts schlimmes sein. Das ist ja völlig ok. Ich weiß ja auch, dass die Leute Spaß haben, das zu sehen und umgekehrt sehe ich das ja auch bei anderen Leuten ganz gerne. Aber ich glaube, dass man in diesem Jahr ganz gut sehen konnte, wie sich mobiles Livestreaming den Weg gebahnt hat: Natürlich mit Meerkat und mit Periscope und mit Facebook Moments.

Das heißt, die Generation Selfie und Groufie (Groufis sind die Selfies mit mehreren Menschen, also in der Gruppe) wird zur Generation Ego-Caster. Narzistische Ego-Caster. Ich hab ja auch ganz viel Periscope gemacht, jeden Tag ein, zwei. Jetzt seit vier Wochen etwa nicht mehr. Und viele, viele Menschen haben mir darauf zugeschaut. Aber man zeigt ja erstmal die Welt durch seine Augen bzw. zeigt sich und präsentiert sich ja auch in einer gewissen Art und Weise und stellt sich dar. Das ist dieses Jahr sehr, sehr stark geworden.

Auch die Kids setzen sich bei YouNow vor die Webcam und erzählen irgendeinen Tinnef. Ich habe auch schon vor Periscope irgendeinen Schwachsinn erzählt. Und auch mal morgens um 5 Uhr aus der Bar, was ich jetzt nicht unbedingt empfehlen möchte. Das ist, glaube ich, ein ganz großer Trend, dass Content der mobil länger konsumiert werden soll, auch ein bisschen anders aussehen muss als der Content den ich auf einem Laptop habe.

“Mein Gott, mach ein horizontales Video!”

Persicope sieht auf einem Laptop scheiße aus. Auf einem Big Screen noch beschissener, weil die Auflösung so schlecht ist. Jeder war schon mal in so einer Situation, wo er denkt: Mein Gott, mach ein horizontales Video! Dreh das Handy bitte um 90 Grad nach rechts oder links! Das kann man jetzt übrigens mit Periscope machen.

Also: Es gibt andere Distributionskanäle und anderen Content für Mobile. Den konsumiere ich mobile. Und es gibt Content, wo ich mir sage: Pass auf, ich setze mich jetzt auf die Couch und möchte ein bisschen was lesen oder möchte ein Spiel spielen oder mir ein Video anschauen. Dann schnappe ich mir doch nicht das kleine Smartphone.

Von dir selbst vielleicht noch eine Einschätzung wo deine/eure Reise im nächsten Jahr hingeht? Auf welche Pallenberg-Projekte können sich deine Leser und Zuschauer freuen?

Live, Live, Live und nochmals Live. Ich habe meinen ersten Livestream 2008 gemacht. Ich habe ein Netbook ausgepackt. Danach hat mir der Streaming-Service eine Mail geschickt mit der Frage, was ich denn da gemacht hätte, weil 20.000 Leute zugeschaut haben. Dann sage ich: Ja, ich habe da so ein Netbook ausgepackt. Das waren doppelt oder dreimal soviele Zuseher wie deren Übertragung von der 2. Eishockey Bundesliga.

“Ich habe keinen Bock mehr auf YouTube.”

Wir machen zur ifa, zur CeBIT, zum Mobile World Congress, zurComputex und zur IAA Livestreams. Wir haben ein Studio und haben Interview-Gäste da. Ich habe keinen Bock mehr auf YouTube. Es ist in gewisser Art und Weise dort auch jeder Endgegner besiegt worden.

Wir haben fünfeinhalbtausend Videos hochgeladen. Unsere Abrufzahlen sind auf unserem Kanal höher als die ganzen anderen deutschen Tech-Medien zusammen. Wir haben mehr Videoabrufe als Mashable und TechCrunch zusammen und ich weiß nicht, was da noch passieren soll. Du kannst noch mehr Videos haben, du kannst noch mehr Geld damit verdienen in einer gewissen Art und Weise. Für wen das eine Herausforderung ist, Feuer frei!

Ich glaube, dass sich bei Live die Spreu vom Weizen trennt. Es sind eine ganze Menge Script-Kids unterwegs, die Videos machen, die im Grunde genommen, Produktdatenblätter ablesen und schneiden das dann schön zusammen. Das kannst du dir live nicht leisten. Du hast einen Interviewpartner dabei und der redet über irgendwelche öl-gekühlten Motherboards in irgendeinem Rechenzentrum in Wien für ihre Großrechner-Anlage.

Wenn du davon keinen Plan hast, dann stehst du einfach relativ doof da, weil das live ist. Das ist daran die ganz spannende Sache. Live ist immer ein Event. Du musst heute hier sein, auf dem Mobile Media Day, um wirklich direkt zu erfahren was hier abgeht und die Möglichkeit zu haben, mit den Referenten und StartUps zu sprechen. Das kannst du dir auch nicht in der Konserve geben. Natürlich kannst du dir die Videos nachher aus der Konserve anschauen. Ein großer Teil dieses Events, des Live-Charakters, geht aber direkt verloren. Und das ist die direkte Interaktion. Das funktioniert bei Live.

Das heißt, wir werden natürlich dieses Format von den Messen weiter machen, aber wir werden möglichst zweiwöchentlich aus dem Studio Livestreams machen. Immer schön am Wochenende, denn wir müssen ja aufpassen wegen der Zeitverschiebung, weil wir in Taiwan sind. Genau das wird kommen: Live auf allen Kanälen, Twitch, Periscope und Facebook Moments. Wir werden das überall durchhauen und werden eine neue Show daraus basteln, weil ich glaube, das ist weitaus spannender und vor allem auch herausfordernder als das fünftausendste Unboxing von irgendeinem Smartphone zu machen, welches genauso aussieht wie die letzte Generation.

Schön, dass wir die Gelegenheit hatten, live mit dir zu sprechen. Sascha, behalte dir deine Begeisterung! Danke für das Interview.

Sehr gerne. Das ist jetzt live aufgezeichnet, wenn ihr euch das anschaut.