Die Zukunft der Festung Marienberg

„Festung – Denkmal – Museum: Neue Perspektiven für den Würzburger Marienberg“

So lautete das Thema einer Podiumsdiskussion am 28. Juli im Martin-von-Wagner-Museum der Universität Würzburg. Die Festung Marienberg soll in den kommenden Jahren ihr Gesicht verändern: nicht nach außen, wo sie weiterhin das Würzburger Stadtbild prägen wird, sondern nach innen, wo umfassende Veränderungen anstehen. Das bisherige Mainfränkische Museum wird in ein Fränkisches Landesmuseum umgewandelt, damit verbunden ist die Verlegung des Staatsarchivs. Hinzu kommen Bau- und Sicherungsmaßnahmen von erheblichem Ausmaß. Die angestoßenen Prozesse werfen in der Öffentlichkeit Fragen auf.

Umfangreiche Bau- und Sicherungsmaßnahmen

Um diese Fragen zu klären, lud Prof. Damian Dombrowski, Direktor der Neueren Abteilung des Martin-von-Wagner-Museums der Universität Würzburg seine Mitdiskutanten aus Wissenschaft, Politik und Verwaltung in die Würzburger Residenz ein. “Ein fränkisches Landesmuseum im Schloß auf dem Marienberg erfordert Bau- und Sicherungsmaßnahmen von erheblichem Ausmaß.” so Dombrowski. Jetzt gälte es, das Bild zurechtzurücken, um den Bürgern die Partizipation am Mammutprojekt zu ermöglichen und den Dialog aufzunehmen.

An Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt gerichtet, stellte er die Frage, wie er die Zukunft der Festung sähe. “Menschen machen Museen.” so Schuchardt. Im zukünftigen Museum zeige sich Würzburgs Historie als Residenzstadt in Franken in Abgrenzung zu den freien Reichsstädten, wie z. B. Nürnberg. Die bereits vorhandenen Schätze müssten nun ins rechte Licht gerückt werden.

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Jahrtausendchance für Würzburg und Franken

Unterfrankens Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel sieht für das mehr als dringend sanierungsbedürftige Mainfränkische Museum “die Jahrtausendchance der umfassenden Sanierung und dauerhaften Finanzierung”. Das bisherige Museum sei in keiner Weise barrierefrei und die Verschmelzung von Mainfränkischem Museum und Stadtgeschichte im Fürstenbaumuseum unter dem neuen Dach eines fränkischen Landesmuseums böte herausragende Chancen. Gleichzeitig müsse, so Dotzel, an einem guten Zugang zur Festung von Seiten der Stadt Würzburg gearbeitet werden. Kürzere Zugangszeiten für Touristen, böten die Chance, neue Besuchergruppen zu erschließen, die bisher keine Zeit hätten die Festung mit dem heute dafür nötigen Zeitaufwand zu erreichen.

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Sanierung der kompletten Infrastruktur notwendig

Peter Seibert, Leitender Baudirektor der Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen benannte als Ziel der Sanierung das Jahr 2025. “Als Bayerische Schlösserverwaltung sind wir für das Denkmal Festung Marienberg zuständig, um diese technisch und historisch zu erhalten und neu zu ertüchtigen.” In einem ersten Schritt sei das Schönborntor nun bereits saniert, 2016 folgen das Neutor und das Höchberger Tor. Die Zugangstore zur Festung seien nun seit ca. 350 Jahren ständigen Witterungseinflüssen ausgesetzt, die z. B. den Mörtel in den Fugen komplett aufgelöst haben und so Wasser in die gesamte Bausubstanz eindringen konnte.

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Auf der ganzen Festung müssen Infrastrukturleitungen erneuert werden: Wasser, Abwasser, Elektrizität, Fernwärme und Telekommunikation. Die Schlösserverwaltung stelle nun alles her, was man braucht, um die Festung überhaupt nutzen zu können, so Seibert weiter.

Im ersten Bauabschnitt gehe es um die Generalsanierung u. a. der Marienkirche im Haupthof. Diese sei nicht mehr trocken zu halten und das nach dem Krieg aufgesetzte Bleiblechdach muss ersetzt werden und die durch die eintretende Feuchtigkeit beschädigten Stuckaturen im Inneren restauriert werden. Gemeinsam mit allen Trägern habe man sich für die große Lösung entschieden, da alle Gebäude auf der Festung sanierungsbedürftig sind.

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Im Zuge dessen kam es, so Seibert, zur “swingenden” Idee der gesamten Neustrukturierung des Festung. In deren Zuge sollen beide bisher bestehenden Museen im Haupthof mit Blick auf die Stadt unter einem Dach zusammengelegt und flächenmäßig erweitert werden, um eine zeitgemäße Museumspräsentation zu ermöglichen.

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11.000 qm Museumsfläche im Haupthof

Eine 2009/2010 von haas consult in Wien erarbeitete Studie ermittelte einen Raumbedarf von ca. 10.000 qm für das zukünftige Museum. Im Haupthof der Festung stünden nach der Sanierung 11.000 qm zur Verfügung. Hier im Haupthof, so Seibert weiter, sei seit dem Jahr 704 der Mittelpunkt des Herzogtums Franken und damit der ideale Ort um die Geschichte, Kunst und Kultur Frankens und Würzburg den neugierigen Besuchern zu präsentieren und diese erlebbar zu machen.

Im mittleren Burghof sehen die Planer zukünftig vor allem den Servicebereich mit Gastronomie, Museumsshops, Verwaltung usw. Die äußere Burg, mit Neuem Zeughaus, dem jetzigen Mainfränkischen Museum sowie dem Fürstenbau sollen zukünftig vor allem für Tagungen, Veranstaltungen und gesellschaftliche Events genutzt werden.

100 Mio. € für ein Fränkisches Landesmuseum

Zum Zeitplan äußerte sich Seibert noch zurückhaltend: “Wenn alle Entscheidungen getroffen sind und klar ist, wie diese umgesetzt werden, könne mit dem Bau begonnen werden.” Der oder die neue Gründungsdirektor/in muss dazu in einem ersten Schritt vertiefte Machbarkeitsstudien erstellen. Hier werde festgelegt, welche Räume für welche Nutzungen geeignet sind um die vorhandenen und etwaig hinzukommenden Bestände optimal integrieren und präsentieren zu können. Mit der Erstellung eines solchen “Raumbuches” sieht sich das Bauamt der Schlösserverwaltung als Denkmalpfleger und Berater des Gründungsteams des zukünftigen Landesmuseums.

Ingesamt geht Seibert von Gesamtkosten von ca. 100 Mio. € aus. Allein für den Umbau der Kernburg sind ca. 50-60 Mio. € veranschlagt und die Erneuerung der gesamten Leitungsnetze erfordere Investitionen von ca. 15 Mio. €.

Als Ausgangspunkt und großes Pfund für alle zukünftigen Planungen sieht die bisherige Leiterin des Mainfränkischen Museums, Dr. Claudia Lichte, die tiefe Verankerung des Museums in der Würzburger Bevölkerung.

“Wir haben Sammlungen die weit überregionalen Charakter haben und die besser präsentiert werden müssen.”

Gleichzeitig werde der Sanierungsstau in den letzten Jahren immer deutlicher. Das Gutachten von 2010 sei der Auslöser für weitere Überlegungen gewesen und letztlich die Chance gemeinsam einen “gordischen Knoten” zu durchschlagen und das Problem unterschiedlicher Öffnungszeiten sowie verschiedener Träger und Institutionen zu überwinden. Es gälte nun die Sammlungen in ein neues Konzept einzufügen und die Kräfte zu bündeln, um gemeinsam eine neue Einheit und ein neues “Museumsquartier” auf dem Würzburger Marienberg zu schaffen.

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Ein Museumsquartier für Würzburg und Franken

Hierbei dürfe, so Lichte, die regionale Verankerung nicht verloren gehen. Man könne klar benennen, was die vorhandenen Sammlungsbestände so besonders machen. Sie seien vor allem dadurch geprägt, dass sie in Franken zu Hause und kunst- und kulturhistorisch bedeutsam sind. Wichtig sei es nun zu einem Miteinander zu finden und den historischen Kontext sichtbar werden zu lassen, damit die ausgestellten Objekte miteinander sprechen können. Das habe die Sammlung verdient, so Lichte.

Für Prof. Dr. Helmut Flachenecker, Lehrstuhlinhaber für Fränkische Landesgeschichte an der Universität Würzburg, ist wichtig, dass die Neukonzeption im Team erfolge. “Wir müssen einen Ausgleich schaffen und eine Akzeptanz in ganz Franken herstellen. Wir kennen ja die sprichwörtliche Solidarität der Franken, die meist beim Nachbarort aufhört.” Er sieht vor allem folgende thematische Grundzüge als Gliederung des neuen Museums: Die Geschichte der mittelalterlichen Burg und Festung Marienberg und die Geschichte Frankens als Herrschafts- und Städtelandschaft und Würzburgs Rolle in dieser.

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Kunst und Kulturgeschichte Frankens sichtbar machen

Das “Fränkische” soll dabei die Klammer sein zur Einordnung der Kunst- und Kulturobjekte, auch um ganz wichtige Fragen stellen zu können: Was ist Franken? Ist es eine Landschaft geprägt durch große Königsnähe bis 1806, oder eine Landschaft mit vielen Klöstern oder mit vielen freien Städten? Ergänzt werden solle dies durch einen großen Wechselausstellungsbereich, der es ermöglicht, immer wieder aufs Neue ganz unterschiedliche Fragestellungen aufzugreifen. Dieses zukünftige Konzept werde nun gemeinsam mit den Landeshistorikern in Franken erarbeitet. Für Flachenecker ist der zentrale Ausgangspunkt der Erzählung, die dieses Museum aufgreifen soll:

„In Castello Virteburch begann 704 die Geschichte dessen, was wir Franken nennen.“

Um dieses Konzept weiter zu konkretisieren, plant Flachenecker mit Kollegen Ende Oktober ein Symposium der fränkischen Landeshistoriker in Würzburg. Unter dem Motto “Anfragen. Anregungen. Akzeptanz.” ist es das Ziel, erste Anregungen für ein Grobkonzept zu bekommen. Für die bisherigen Museen gehe es vor allem um die Aufnahme und Präsentation in neuem Gewand. Damian Dombrowski wirft als Impuls für das Symposium die Frage auf, was die unterschiedlichen Herrschaftsbereiche in Franken denn verbinde.

Oliver Jörg erinnert sich rückblickend an einen weiteren Ausgangspunkt der neuen Museumsplanungen. “Vor drei Jahren hat mich Herr Fuchs, der Leiter des Staatlichen Hochbauamts in Würzburg, durch die Festung geführt. Von unten aus der Stadt sieht man nur die Fassade und den scheinbar intakten Putz, der einem oben auf der Festung dann von der Decke fällt.”

Ihm war schnell klar, dass es um eine museale Herausforderung geht: “Ich müsste 70 Jahre Landtagsabgeordneter sein, um das sukzessive stemmen zu können.” Manchmal ergäben sich aber neue Möglichkeiten. Die Tür in München habe sich aufgrund der Würdigung der Würzburger Bewerbung um das Landesmuseum der neueren bayerischen Geschichte im Jahr 2011 ergeben, für das Regensburg aber letztlich den Zuschlag bekam.

Als nun auch klar wurde, so Jörg, der gleichzeitig stv. Vorsitzender des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst im Bayerischen Landtag ist, dass es in München um einen neuen Konzertsaal geht, der aus seiner Sicht sicherlich 300-400 Mio. € kosten wird, war ihm und seinen Mitstreitern im Landtag klar: “Jetzt muss aber in Würzburg und Franken auch mal was Gescheites gehen!”

Kulturprojekt für ganz Franken

Jörg lobte dabei die tolle Solidarität der fränkischen Kollegen im Bayerischen Landtag. Alle wünschten sich schon vor der Landtagswahl 2013, dass nun auf der Würzburger Festung geklotzt werden müsse. Auf der Hauptburg wolle man Museales zusammenführen und die Besucher in einem Strang durch die Kunst und Geschichte führen. Das Projekt wurde Bestandteil der sog. 1. Kultursäule im Haushalt, in der es auch um Leuchtturmprojekte für jeden einzelnen bayerischen Regierungsbezirk geht. Ein Seegen, sei laut Jörg, die Vorarbeit durch die fundierte Begutachtung und Handlungsempfehlungen des Büros Haas gewesen. Somit war die Vorarbeit und entscheidende Argumente gebündelt.

Nun, so Jörg, planen und kämpfen wir aus der Region heraus und warten nicht ab. Deshalb brauchen wir einen Gründunsdirektor, der die Handlungsstränge bündelt und alle einbindet. Das Museum müsse frankenweit diskutiert werden. Als künstlerischen Ankerpunkt des neuen Museums sieht Jörg vor allem Tilman Riemenschneider für die Kunst im Fränkischen Reichskreis. Die Verstaatlichung zum 1.1.2017 bringe nun eine finanzielle Sicherheit für die Festung und bisherigen Museumsträger.

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Riemenschneider – Festung – Würzburg – Franken

Dombrowski stellt sich die Frage, wie denn die Sammlungen zusammengesetzt sein können und wo es Veränderungen gäbe. Zukäufe seien ja schwer möglich. Ob man unter den Planern an Leihgaben z. B. aus dem Bayerischen Nationalmuseum denke? Hier böten sich für ihn, z. B. bei Werken Riemenschneiders, durch eine Gegenüberstellung mit anderen herausragenden fränkischen Künstlern der Spätgotik und Frührenaissance interessante Vergleichspositionen z. B. mit Werken des Nürnbergers Veit Stoß. Flachenecker betont hierbei, dass als erstes darum gehe, alle Bestände zu zeigen, die schon vorhanden sind. Zukünftig mögliche Leihgaben seien nicht Bestandteil der jetzigen Diskussion.

Würzburgs Oberbürgermeister ergänzt mit der Feststellung, dass ein Exponat bisher gar nicht ausgestellt sei: Die Festung Marienberg, die es zu erhalten gelte. Mit ihr verbunden sei der Stadttypus der Residenzstadt und Würzburg das exzellente Fallbeispiel, das engstens mit dem Standort des Landesmuseums verbunden sei. Schuchardt kann sich darüber hinaus auch vorstellen, dass die fränkische Geschichte über das Jahr 1814 hinaus gezeigt werde. Es gehe im Museum um “Wissensvermittlung zur Identitätsbildung”.

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Als nächstes, so Schuchardt, sei es aber das Ziel möglichst schnell einen Einstellungsvorschlag für einen Gründungsdirektor des Landesmuseums zu haben. Der- oder diejenige habe dann die Möglichkeit Chancen zu bündeln und ein stimmiges Konzept zu formulieren.

Umfassendes neues Raumkonzept

Aus dem rund 80-köpfigen Publikum fragt die ehem. Museumspädagogin des Mainfränkischen Museums, Marianne Erben, was denn mit der aus Ihrer Sicht hervorragend eingerichteten Kelter- und Schönbornhalle im”Neuen Zeughaus” geschehe. Dieses seien großartige Raumbeispiele der Ersteinrichtung durch den damaligen Museumsdirektor Max Hermann von Freeden.

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Peter Seibert von der Schlösserverwaltung erläutert ihr, dass beide Hallen in ein neues Nutzungskonzept überführt werden und es interessantere Raumbereiche auf der Festung gebe, z. B. hochmittelalterliche Teile im Nordostbereich der Festung, die bisher gar nicht zugänglich waren. Mit der Grundsatzentscheidung zur Generalsanierung stehe das Konzept, das neue Landesmuseum in der Kernburg auf einem durchgehenden Rundgang zu gestalten.

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Ein Museum als Raum-, Kunst- und Lernerlebnis

Als nächstes erstelle Seibert mit seinem Team ein Raumbuch, das jeden Raum der Festung untersucht und in seinen Qualitäten für mögliche Nutzungen hin überprüft und bewertet. Das Ziel sei den zukünftigen Besuchern ein einmaliges Raum-, Kunst- und Lernerlebnis zu bieten, um die Kunst Frankens zu zeigen. Claudia Lichte ergänzt, dass das Mainfränkische Museum damals von von Freeden mit den Mitteln seiner Zeit als ausgewogene Konzeption gedacht war, aber nicht mehr heutigen Standards entspräche und genüge. Das Gebäude sei z. B. nicht barrierefrei erschließbar. Sie betonte, dass es unstrittig sei, dass die Schönborn-Grabmäler passende Räume zur Ausstellung benötigen. Diese gelte es nun in einem neuen Gesamtkonzept zu finden.

Peter Seibert ergänzt, dass u. a. der Deutsche Museumsbund mittlerweile von Dauerpräsentationen in Museen ausgehe, die sich alle zehn Jahre ändern. Die bisherige Dauerausstellung basiere weitgehend auf der Einrichtung in den 1960er Jahren. Ziel, so Seibert, sei eine mutige Sehweise, die die pointierte Gewichtung der Exponate und mehr Vermittlung erfordere, da das Vorwissen der Besucher nicht vorausgesetzt werden kann. Er erläutert, dass im Zuge der Sanierung auch an einzelnen Stellen archäologische Grabungen unternommen würden, z. B. direkt vor der Marienkirche vor der ein Friedhof vermutet wird. Hier erwartet er sich weitere Erkenntnisse zur Geschichte des Marienbergs.

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Wie mit den bisherigen Leihgaben der unterschiedlichen Träger wie z. B. Stadt, Kirche und Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte verfahren werde, müsse laut Prof. Flachenecker geklärt werden. Maßgabe sei, dass alle Eigentümer und Träger in einem Kuratorium zusammenarbeiten. Der Besitz müsse da bleiben wo er ist.

Inventarisierung der vorhandenen Schätze

Nun geht es vor allem um die dringend notwendige, umfassende Inventarisierung des gesamten Bestandes. Dieser ist in den letzten Jahrzehnten versäumt worden. Besitzstände müssen nun geklärt werden. Diese Inventarisierung kann nun durch Mittelfreigabe des bayerischen Wissenschaftsministerius erfolgen. Erst dann ist wohl überhaupt klar, welche Schätze sich im Museum eigentlich befinden.

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Christian Schuchardt betont, dass alle Besitzträger Teil des Museums sind und bleiben. Dieser Auftrag werde sehr ernst genommen. Die eingerichtete Lenkungsgruppe aller Träger befasse sich nun mit der vollständigen Inventarisierung, der Depotfrage und der Ausarbeitung möglichst einheitlicher Leihverträge.

Weitere inhaltliche Aspekte kamen zur Sprache. Helmut Flachenecker z. B. wünscht sich, dass die dann weitgehend sanierte Festung im Jahr 2025 Ausstellungsort der Landesausstellung zum 500. Jahrestag des Bauernkrieges werde.

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Oliver Jörg sieht in der Zugänglichmachung der Kasematten sehr interessante Möglichkeiten. Allgemein gehe es ihm nun auch darum wie die Festung allgemein besser erreicht werden kann: “Wie können wir den Zugang verbessern?”

Für das Podium ist klar, dass das “gesamtfränkische” die Klammer ist, an der gearbeitet werden soll. Die Frage die nun herausgearbeitet werden muss ist: Was ist logisch im Zusammenhang und wie ist es museal darstellbar? Erwin Dotzel ergänzte, dass sich der Bezirk Unterfranken auch weiterhin im Museum einbringen werde. Ein Beitrag könnten z. B. Wanderausstellungen sein, die der Bezirk mitkonzipiert und die von Würzburg aus unterfrankenweit wandern können.

Stadtgeschichte als integraler Bestandteil

Zur vom Würzburger Stadtführer Rudi Heldt aufgeworfenen Frage wo die jüngere Würzburger Stadtgeschichte in diesem Konzept bleibe und er diese z. B. eher in der ehemaligen Mozartschule in der Innenstadt verortet sähe, entgegnete Oberbürgermeister Schuchardt: “Die Stadtgeschichte auf der Festung ist integraler Bestandteil der Gesamtplanung und für die Beteiligung des Freistaats konstitutiv.”

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Hierbei ging und gehe es auch um eine dauerhafte finanzielle Entlastung der Stadt Würzburg, so Schuchardt. Natürlich werde geprüft, ob und wo es inhaltliche Lücken gebe, die die Stadt abdecken könne und müsse. Aber er betonte auch: “Ich habe zum Beispiel die jährlichen Kosten des Kulturspeichers für die Stadt Würzburg im Blick.”

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Prof. Flachenecker ergänzte mit dem Blick auf die neuere fränkische Geschichte nach 1814, dass diese nur in Absprache mit dem Landesmuseum der neueren bayerischen Geschichte in Regensburg erfolgen könne. Dieses Konzept liege allerdings noch nicht vor.

Wohin mit dem Staatsarchiv?

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Zum Schluss kam die Frage der Verlagerung des Staatsarchivs nach Kitzingen auf und ob diese Junktim zum Entscheid über ein neues Landesmuseum auf der Festung war. Dies verneinte Oliver Jörg. Das sei eine vollständig andere Debatte und man sehe allein an der bis ins Jahr 2010 zurückreichenden ersten Planung für eine mögliche Gesamtsanierung der Festung mit Schwerpunkt Museumsnutzung, dass hierbei die Frage der Verlagerung des Staatsarchivs nach Kitzingen noch keine Rolle gespielt habe, da dieser Vorschlag schlichtweg erst im Frühjahr 2015 auf die politische Agenda kam. Er betonte aber, dass es natürlich stichhaltige Argumente für einen Verbleib des Staatsarchivs in Würzburg [in einem sog. Archivverbund; d. Red.] gäbe und sich diese breit unterstützte Position in einer Petition widerspiegele, die er mit seinen Kollegen im Wissenschaftsausschuss des Landtags detailiert prüfen werde.