Warum kostet die MOZ-Sanierung mindestens 27 Mio. €?

Ein Interview mit Peter Wiegand, dem Fachabteilungsleiter Pro Stadt der Stadt Würzburg, der für das Sanierungskonzept der Mozartschule zuständig ist.

Herr Wiegand, Sie haben im Vorfeld der Bürgerentscheide die Kosten ermittelt, die eine Sanierung der ehemaligen Mozartschule kosten würde. Was sind Ihre Planungsgrundlagen?

Unsere Kalkulation wurde für ein gemischt kulturelles Nutzungsangebot ohne konkrete Planung erstellt. Sie gründet auf Mittelpreisen pro qm Bruttogrundfläche (Außenmaß der Gebäudehülle), inkl. Sanierung der Keller. Der 1968 ergänzte und derzeit mit Schimmelschäden behaftete Bauabschnitt [zum Kardinal-Faulhaber-Platz; d. Red.] würde abgerissen und das Denkmal (mit dem Schließen der damals geschaffenen Übergänge) wiederhergestellt. Es bietet sich an, an dieser Stelle ein zusätzliches, notwendiges Treppenhaus mit Aufzug und Sanitärbereich anzubauen. Auch dieses ist in den Kostenansätzen berücksichtigt.

In unserer Kalkulation gehen wir ebenso davon aus, dass alle Trinkwasser-, Elektro- und Abwasserleitungen saniert werden müssen. Wir reden hier von einer kompletten Erneuerung der technischen Infrastruktur und Ergänzung der Anlagen nach dem Stand der Technik und der Nutzungserfordernisse, also z. B. zusätzliche Sanitäranlagen / Licht- und Medientechnik.


“Dieses Gebäude hat ganz besondere funktionale Mängel.”

Was wären die Sanierungsschwerpunkte?

Bei der Gebäudeumnutzung liegen die kostenträchtigsten Schwerpunkte im Bereich Barrierefreiheit, energetische Sanierung und Brandschutz.

Die Kalkulation umfasst daher die Einrichtung von mindestens 4 Aufzügen für unabhängig zu betreibende Gebäudeabschnitte:

  1. Sporthalle/Gymnastik/Umkleiden
  2. Foyer/Treppenhaus/Aula
  3. Schultrakt, dort integriert in das bestehende Treppenhaus (Hier müssen vorhandenen Wandgemälde berücksichtigt werden)
  4. zusätzlich in einem neugeschaffenen Treppenhaus, s. o.

Was sind weitere notwendige Maßnahmen?

Wir müssen für eine automatische Lüftung und Klimatisierung der wesentlichen Räume und eine automatische Verschattung der Südfassaden sorgen. Die Decke über der Tiefgarage und das Dach im „Stil der Fünfziger Jahre“, also mit einer Blecheindeckung, müssen erneuert werden und die vorhandende „Welleternit“-Eindeckung entsorgt werden.


Weiterhin reden wir hier über eine Erneuerung sämtlicher Fußböden und Fußbodenaufbauten da die hier verbauten Klebe- und Bindemittel heute nicht mehr zugelassen sind und gesichert werden müssen. Sämtliche Fenster müssen unter energetischen und denkmalpflegerischen Gesichtspunkten erneuert werden.

 

Um getrennte Nutzungseinheiten wie z. B. Schule/Theater und Kultur/Museum zu ermöglichen, sind bei einer Sanierung unabhängig gegliederte Brandabschnitte und Entfluchtungsbereiche auszubilden. Das erschwert die Beibehaltung der derzeitigen Erschließungszonen.

Zu einer denkmalgerechten Sanierung gehört aber auch, die Wandbilder und Ausstattungsgegenstände, wie charakteristische Leuchten, Dekore, Treppengeländer, zu sichern und wiederzuverwenden. Das unterscheidet dieses Denkmal daher deutlich von anderen Vorhaben in der Stadt.

Welche Kosten sind dafür nach Ihrer Rechnung nötig?

Die Kosten für das “Hufeisen” liegen demnach bei rund 9,2 Mio. € brutto (BGF 4.200 m²), die Kosten für die “Windmühle” liegen bei 12,4 Mio. € (BGF 6.750 m²), insgesamt also 21,6 Mio. €. Hinzu kommen Kosten für die Sicherung und Sanierung der vorhandenen Kunst, Baunebenkosten, und für die Außenanlagen. Wir rechnen daher insgesamt mit Kosten von rund 26,75 Mio.€.

Was gilt es beim Brandschutz zu beachten?

Die vorgesehenen Brandabschnitte machen derzeitige Sanitärbereiche und Funktionsräume nicht mehr erreichbar. Diese würden abgeschnitten und müssten zusätzlich errichtet werden. Zudem erfordern die Brandabschnitte im Schultrakt den Eingriff in die bestehende Trag- und Deckenstruktur.

Wie kann das Gebäude barrierefrei erschlossen werden?

Die Höhenstaffelung der einzelnen Gebäudeteile, die Höhenlage der Eingänge, teilweise über Podesttreppen, erfordern mehrere zusätzliche Aufzüge innerhalb der Gebäudeabschnitte, bzw. auch zusätzliche Treppen. Bedingt wird das vor allem dadurch, dass bei einer gemischt genutzten Anlage unabhängig voneinander schließbare, erreichbare und entfluchtbare Nutzungsabschnitte zu bilden sind.

Wie könnte das Treppenhaus vor der Aula, also dem jetzigen Kinosaal, erschlossen werden?

Hier stünden wir vor einer besonderen Herausforderung, denn die denkmalgeschützte Treppe ist nur sehr kompliziert über ein Liftsystem zu erschließen, da sie in der Höhe durch ein Podest gestaffelt ist und die geeignetste nutzbare Wand mit Wandschmuck (Amorbach) versehen ist.

Treppenhaus vor der Aula der Mozartschule


Wie kann das Gebäude energetisch saniert werden?

Der hohe Anteil an Südfenstern macht bei thermisch hochgedämmten Fassaden nachträgliche Beschattungen notwendig. Im Zusammenspiel mit selbständigen technischen Lüftungseinrichtungen ist das zwar leistbar, aber aufwändig. Insbesondere die Beschattungen sind nur schwer, also teuer, denkmalgerecht umzusetzen.


Das sehen Sie beispielsweise bereits heute bei den angebrachten Lamellenjalousien vor der Aula an der Südseite. Diese sind nicht denkmalgerecht und zeigen die Problematik einer angemessenen Reaktion auf moderne Bedürfnisse.

Was würde passieren, wenn z. B. nur das Hufeisen erhalten und saniert werden würde?

Ein notwendiger nachträglicher auch mit Nutzflächen versehener Gebäudeabschluss an der Trennlinie zur abgebrochenen Restschule muss gestalterisch anspruchsvoll ergänzt werden, damit das denkmalgeschützte Treppenhaus, dem die Erschließungsfunktion teilweise durch den Teilabbruch genommen wurde, wieder sinnvoll genutzt werden kann.


Dieses Gebäude könnte auch die notwendigen und unabhängig zu betreibenden Hausanschlusseinrichtungen (Gas/Wasser/Heizung) beherbergen. Verkompliziert wird dies dadurch, dass sich an dieser Stelle auch Teile der sanierungsbedürftigen Tiefgarage befinden, die überbaut werden würde.

Wie bestimmt eine zukünftige Nutzung den tatsächlich erforderlichen Aufwand?

Bei einer reinen Schulnutzung sind die Ansprüche an die Barrierefreiheit abgemildert. Demnach müssen nicht alle, sondern nur wenige Gebäudeabschnitte barrierefrei erschlossen sein. Insbesondere das Thema diskriminierungsfreie Erschließung wird dabei weniger Beachtung finden. Hier reden wir dann allerdings auch über zusätzlich Ansprüche an den Sicherheitsbereich (Amok-Prävention, etc.).

Grundsätzlich ist aber, dass eine reine Schulsanierung oder eine reine Verwaltungsnutzung (siehe Sanierung Regierung von Unterfranken oder die Sanierung der Polizeidirektion) kostengünstiger auszuführen sein würde, als eine gemischt genutzte Gebäudeanlage.

Zum Vergleich der Bauumfang:
Mozartschule ohne Ergänzungsbau von 1968: 10.950 m² BGF
Polizeidirektion Augustinerstraße: 7.010 m² BGF

Herr Wiegand, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Weitere Informationen von Peter Wiegand zum Bauzustand der Mozartschule und möglichen Sanierungskosten im stadtrat.TV-Interview vom 13.05.2015:

Peter Wiegand über den Bauzustand der Mozartschule

“Es bröckelt an allen Ecken und Enden.”

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